BIOGRAPHIE
Aufsichten – Strukturen und Klänge
In urwüchsigen, von Menschen ungestalteten Landschaften ergibt sich für mich beim Blick durch das Kameraobjektiv der Drohne oder aus dem Helikopter, aus der Vogelperspektive und unter Verzicht der Einbindung eines Horizonts, ein besonderes Phänomen:
Es erscheinen Bilder und Ansichten in einem oft sehr hohen Grad an Abstraktion und einer geradezu malerischen Qualität, vergleichbar den Eindrücken, die sich auch beim Blick durch ein Mikroskop einstellen.
Nun entdecke ich bei genauerer Betrachtung so viele Parallelen zwischen dieser Art Landschaft und anspruchsvoller Musik.
Strukturen, Rhythmen, Farben, Räumlichkeiten und deren Zusammenspiel, Konturiertes und Verschwommenes, Harmonien in tiefgestaffelten Klangebenen, die von Dissonanzen irritiert oder bereichert werden, sich vordrängen oder auch nachdenklich zurücknehmen, um sich dann zu einem höheren Ganzen zu fügen.
Angeregt von derlei Landschaftsaufsichten und das Gesehene erinnernd, entstehen dann im Atelier Serien von Bildern, die zunächst mit spielerischem Ansatz Entsprechungen für dieses Phänomen bilden wollen.
So scheint es, dass sich, zunächst unbewusst und ohne konkrete Absicht, im Entstehungsprozess der Bilder Landschaftsassoziationen oder auch der Eindruck visualisierter Musik einstellen, wobei die Übergänge, welchem Genre sich das jeweilige Bild zuneigt, fließend sind.
Natur und Artifizielles
Was ich fotografisch durch mein Drohnenauge in Island gesehen habe, war der Anfang der bildnerischen Interpretation des Zusammentreffens von Natur und Technik.
Serien von Kraftwerken, die in archaische Landschaften eingebracht sind.
Artifizielle Formen, die sich gegen gewachsene organische Strukturen einer ungestalteten Landschaft stellen.
Später kam mir zufällig ein Satellitenbild vom „Burning Man Festival“ in Nevada am Rande der Black Rock Desert unter, welches mit seinen im Halbrund aufgebauten Tribünen und Absperrungen, die einem Hexagramm ähnelten, den Gegenpart zu den umgebenden Wüstenstrukturen bildete.
Ein Bild, auch in seinem farblichen Reiz, von ähnlicher Faszination wie die in Island gesehenen, welches auch hier die Spannung, das Verhältnis, die Interaktion zwischen Organischem und Anorganischem, Natürlichem und Artifiziellem zum Inhalt hatte.
In ihrer Gegenläufigkeit, Polarisierung und gleichermaßen Bedingtheit war es die überraschende Einsicht einer Analogie zu meinen eigenen Denkweisen und Charakterstrukturen.
Das sinnlich Exzessive, was ich in der Malerei suche, und auf der anderen Seite das Präzise, welches in seiner Genauigkeit gelegentlich fast ins Pedantische reicht – das liegt, wie in meinem Wesen, so auch im Konkreten technischer Formabläufe.
Dort, wo der Mensch in die Natur eingreift, entsteht nicht nur Zerstörung – die auch –, sondern es scheint in günstigen Fällen ein Blickwinkel möglich, der sich dem Auge aus einer eher phänomenologisch-ästhetischen Betrachtungsweise nähert.
Drohnenfotografie
Die Basis meiner fotografischen Erinnerungen ist in den letzten Jahren zunehmend die Arbeit mit der Drohne, die mir sehr viel unverbrauchtere Sichten auf Landschaften aus der Vogelperspektive ermöglicht.
Der goldene Schnitt und damit der Horizont der konventionellen Landschaftsauffassung spielen plötzlich keine Rolle mehr. Landschaft gerät in eine scheinbare Zweidimensionalität, auf der sich ungewohnte malerische Arrangements von Farben und Formen in sehr reduzierter Räumlichkeit und Tiefenwirkung ergeben.
Bezüge zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos stellen sich ein. So scheint der Blick durch ein Mikroskop mit der Sicht der Drohne von oben auf eine Landschaft vergleichbar.
In die Malerei übertragen ermöglicht mir diese Unkonventionalität der Perspektiven ein wesentlich freieres, spielerischeres, abstrakteres und malerischeres Verständnis von landschaftsassoziierender Bildsprache sowie eine weitgehende Abkoppelung von einer eindeutigen gegenständlichen Assoziierbarkeit im Bild.